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Rauchverbot! Dieses Reizwort für Nikotinsüchtige läßt Anhänger von wirklichen Tabakfreuden völlig kalt. Denn die schnelle Zigarette auf dem Bahnsteig oder am Terminal-Gate war noch nie ihr Ding. Natürlich ist Rauchen out. Auf den Genuß einer guten Zigarre trifft aber das Gegenteil zu…
Denn das höchste der sich stets in Rauch auflösenden Gefühle ist es, sich eine edle Havanna zu gönnen und dabei so zufrieden und staatsmännisch weltgewandt dreinzublicken wie Arnold Schwarzenegger, Gerhard Schröder oder ehemals Winston Churchill. Und ob Revolutionär wie Ché Guevara oder Komiker wie Groucho Marx – die Philosophie des Paffens eint die unterschiedlichsten Weltanschauungen. Das Wiederentdecken des Rauchvergnügens macht auch vor dem weiblichen Geschlecht nicht halt. Stars wie Madonna oder Isabella Rosselini bevorzugen ebenfalls edle Tabake und nicht immer nur zierliche Formate. Und dass Zigarren durchaus auch eine starke erotische Komponente haben – spätestens seit Monica Lewinsky ihrem Billy Boy Feuer gab, ist dies allen bewusst.
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Die echte handgerollte Longfiller- „Puro“ aus kubanischen Tabaken ist kein billiges Vergnügen. Natürlich gibt es auch günstige Shortfiller, deren Einlagen nicht aus ganzen, sondern gerissenen oder gehäckselten Tabakteilen bestehen. Noch billiger wird es, wenn diese machinengefertigt sind, was inzwischen auch auf Kuba praktiziert wird. Aber für echte „Aficionados“ sind diese Rauchwaren natürlich indiskutabel. Nobelmarken wie Cohiba, Trinidad oder Montecristo bieten hierzulande ihre Top-Produkte zu Stückpreisen von bis zu 40 Euro z.B. für die Montecristo A an. Diese Marken gehören zu den Spitzenprodukten von der Insel Fidel Castros. Es gibt aber auch günstigere, wenn auch weniger prestigeträchtige Puros aus dem besten Anbaugebiet der Welt in der Vuelta Abajo. Wer mit einer relativ milden, ja fast sanften Zigarre in die Welt des blauen Dunstes eintauchen möchte, ist beispielsweise mit einer H.Upmann sehr gut bedient. Die „Lonsdale“ oder die „Epicure“ aus dieser alten europäisch-karibischen Dynastie sind als „Einstiegsdroge“ nahezu perfekt, bei Connaisseurs jedoch gleichermaßen beliebt. Die noch junge kubanische Marke Cuaba mit ihren verschiedenen figurados (so nennt man eine torpedoähnliche Form) ist ebenfalls „ein guter Deal“, der sehr abwechslungsreiche Aromen bietet. Zur Herstellung der Zigarre sei gesagt, dass die alte Mär von der Mulattin, die den Tabak liebevoll schmachtend auf ihren nackten Schenkeln rollt, reine Wunschvorstellung ist. Was nicht heißt, dass in den traditionsreichen Fabriken von Havanna, wie der weltberühmten Fabrica de Tabacos Partagas nicht sehr attraktive weibliche Torcedores, also Zigarrenrollerinnen, beschäftigt sind. Und dass lange, schlanke Zigarrenformate - sogenannte Panatelas - an die Salsa- Schenkel kubanischer Schönheiten erinnern, ist ebenfals unbestritten. Wer die alten Fabrikräume der Fabrica Partagas einmal betreten hat, in denen noch immer Vorleser für die kulturelle Bildung der Arbeiterinnen und Arbeiter sorgen, wird dieses duftende Paradies so schnell nicht vergessen. Und wer weiß, dass bei feinen Zigarren vom Setzen der Sämlinge über die Ernte der Tabakblätter bis zum Rollen des Endprodukts bis zu vier Jahre vergehen, weiß warum ein guter Puro seinen Preis hat. Übrigens: „billig“ erstandene „Straßenware“, wie sie viele Havanna-Touristen mitbringen, ist häufig nicht nur ungenießbar, weil das Aroma erst beim Fermentieren der Tabakblätter entsteht, sondern darüber hinaus auch gesundheitsschädlich, weil es sich häufig um nicht gereifte und gelagerte Produkte handelt. Das vermeintliche Schnäppchen, bei dem es sich im günstigsten Fall noch nicht mal um gerollte bananenblätter handelt, entpuppt sich dann als „viel Rauch um Nichts“…
Über die „richtige“ Wahl der Zigarre entscheiden letztendlich das bevorzugte Format und eigeneGeschmacks-Vorlieben. Am intelligentesten ist es wohl, zu Beginn nicht kistenweise einzukaufen, sondern ein gemischtes Sortiment verschiedener Zigarren zu verkosten. Das sensibilisiert die Sinne und schließlich gilt hier das gleiche wie auch bei einer guten Flasche Wein: jede schmeckt anders, jede Sorte hat ihren Reiz. Und: es muss nicht immer Havanna sein. Auch aus Honduras (Flor de Selva) oder von den Kanarischen Inseln (Goya, Condal) kommen hochwertige und interessante Zigarren zu sehr fairen Preisen. Eine schlanke, elegante Panatela, eine kompakte Robusto, eine wuchtige Doble Corona oder eine archaische Figurado – je nach Anlass und Laune kann man über Form und Format des Rauchgenusses entscheiden. Das Vorurteil, daß große Formate nur etwas für versierte Raucher sind, läßt sich schnell entkräften. Denn darüber, ob ein Puro dezent-leicht, schokoladig, mittelkräftig, pfeffrig-nussig, stark, nach Holz- oder Erdaromen schmeckt, hängt von vielen unterschiedlichen Kriterien, vor allem von der Mischung ab. Auch das Verhältnis von der Länge einer Zigarre zu ihrem Durchmesser entscheidet darüber, wie kräftig sie empfunden wird. Gerade „dicke Zigarren“ erweisen sich durch den erhöhten Luftdurchstrom beim Ziehen als milder. Rund die Hälfte des Geschmacksanteils einer Zigarre wird zudem durch die Wahl des Deckblattes bestimmt. Deswegen ist es natürlich auch individuell verschieden, ob zur Zigarre vielleicht ein torfiger schottischer Whisky, ein feiner karibischer Rum oder vielleicht ein leichter Portwein genossen wird. Einige persönliche Empfehlungen dazu im Kasten unten.
Ein paar Tipps sollte man zum Beginn seiner Zigarren-Leidenschaft beherzigen, auch wenn jeder Raucher im Laufe der Zeit seine eigene Rauch-Philosophie entwickelt. Jede gute Zigarre muss zunächst am Kopfende aufgeschnitten oder aufgebohrt werden, damit sie zieht. Die Wahl des Werkszeugs dazu (Zigarrenschere, Guillotine, Bohrer) bleibt dem persönlichen Geschmack vorbehalten. Heiß machen und zum Glühen bringen kann man die braune Schönheit mit einem Streichholz, einem Gasfeuerzeug oder brennendem Zedernholz; nur Benzinfeuerzeuge eignen sich nicht, weil diese den Geschmck empfindlich beeinträchtigen. Zippo-schwingende Helden aus dem Kino sind also eher nicht nachzuahmen! (Allerdings gibt es inzwischen ein Gas-Zippo für Zigarrenraucher!) A propos Leinwandhelden: auf der Zigarre herumkauen und sie dabei vom linken in den rechten Mundwinkel befördern sieht vielleicht bei Clint Eastwood während des Duells oder bei Will Smith nach gewonnener Schlacht gegen Außerirdische cool aus, ist aber bei stilvollen Rauchern tabu…
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Was passt am besten zum perfekten Rauchvergnügen? Generell sollten Zigarre und Drink in harmonischem Einklang stehen, sich gegenseitig beflügeln. Ein schwerer Rotwein zum Puro ist also nicht empfehlenswert, ebensowenig wie hochprozentige Cocktailmischungen, die das Geschmacksempfinden eher schmälern. Hier ein paar ganz subjektive, aber konkrete Empfehlungen: Der schottische Littlemill-Whisky aus dem Lowland mit einer weichen, leicht trocken-grasigen Note und dem dezenten Duft von frischen Zitrusfrüchten passt hervorragend zu einer mediumkräftigen Cuaba, wie der Generoso. Ein wunderbar weicher Whisky mit dem Reiz des Ungewöhnlichen ist der Slyers Single Malt. Der wird nämlich aus reinem Gebirgsquellwasser und Gerstenmalz am alpenländischen Schliersee destilliert. Dieser oberbayerische Single-Malt, z.B. zu einer Vegas Robaina Familiar genossen, ist vielleicht der eindrucksvollste Beweis dafür, dass bajuwarische Brenner und kubanische Tabaceros bestens harmonieren. Die wunderbar schokoladige, leicht süßliche Goya No. 1 von der Kanareninsel Teneriffa läßt sich auf einen üppigen Gourmet-Dialog mit vielen guten Spirituosen ein: ein Gläschen Portwein, vielleicht ein herrlich konzentrierter Late Bottled Vintage der Quinta de Ventozelo – das ist fast schon überreiches Vergnügen. Noch etwas exotischer, aber nicht minder harmonisch: der pur getrunkene Premium-Cachaca Delicana, ein Artesanal-Zuckerrohrbrand aus Brasilien. Auch dieses flüssige Gold aus Minas Gerais ist ein idealer Zigarrenbegleiter. Und damit kommen wir zu der traditionsgemäß in Kuba am häufigsten zur Zigarre getrunkenen Spirituose: von der Zuckerrohrinsel kommen natürlich excellente Rumsorten wie Havana Club, Ron de Caney oder der leider nur noch als Rarität erhältliche Ron Matusalem (nicht mit dem gleichnamigen in der Dominikanischen Republik produzierten Rum zu verwechseln!). Kenner schwören auf den rund 180 Euro teuren Havana Club Gran Reserva 15 anos zu Premium-Zigarren, die besonders reich an Geschmacksnuancen sind, wie etwa die Trinidad Fundadores. Steigerungsfähig fast schon bis zur Dekadenz ist es, sich an einem Havana Club Maximo, die Flasche zu rund 1.200,- Euro, zu erfreuen. Dieser Rum wird vom Meister-Ronero Don Jose Navarro persönlich aus lang gelagerten verschiedenen Rums geblendet. Speziell zur Zigarre haben auch große Cognachäuser wie Martell ihr Champagnetraubendestillat („Martell Cohiba“) konzipiert. Das Erlebnis intensiver Aromen in der edlen Karaffe für über 300,- Euro passt - wie schon der Name impliziert - zu Luxus-Brennstäben wie der Cohiba Esplendido oder der Cohiba Lancero.
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| Aktualisiert ( Sonntag, 02. März 2008 04:14 ) | |||||




